Wer war Inge Katz?

Inge Katz wurde 1924 in Bremen als Tochter des Bremer Unternehmers Carl Katz und seiner Frau Marianne geboren und verlebte eine behütete Kindheit. Inge lebte mit ihrer Familie seit dem Tod des Großvaters im Hause der Großmutter Rosa in der Isarstraße 33. In unmittelbarer Nachbarschaft wohnten zahlreiche Cousinen und Cousins – ihre Cousine Ruth Cohen, die gleichzeitig Inges allerbeste und engste Freundin war, lebte in der Rüdesheimer Straße 37.

Inge besuchte gemeinsam mit Ruthie die Schule an der Delmestraße. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 erlebte Inge Katz aufgrund ihres jüdischen Glaubens Ausgrenzung und Verfolgung. Ausgrenzung fand auch in der Schule an der Delmestraße statt.

Im November 1941 wurden Ruthie und ihre Familie für einen “Transport in den Osten” eingeteilt. Im Juli 1942 wurde Inge mit ihrer Familie mit einem der letzten Transporte aus Bremen in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Großmutter Rosa verstarb in den ersten Tagen nach der Ankunft. Inge und ihre Eltern lebten mit etwa 40.000 Menschen jüdischen Glaubens unter unwürdigen Zuständen.

Im September 1942 traf Inge in Theresienstadt während eines behelfsmäßigen Gottesdienstes zu Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, Schmuel Berger. Die beiden verliebten sich in den Folgemonaten ineinander und fanden trotz der lebensfeindlichen Bedingungen in Theresienstadt immer wieder ein bisschen Zeit füreinander. Im September 1944 wurde Schmuel erneut deportiert. Am Vorabend des Transports nach Auschwitz schenkte Schmuel Inge eine Rose, die er unter Lebensgefahr gepflückt hatte, und ein Foto, das vor dem Krieg aufgenommen worden war.

Inge erschien ihr Leben in Theresienstadt ohne Schmuel sinnlos und unerträglich.

Im Mai 1945 wurde Theresienstadt von den Sowjetrussen befreit und im Sommer 1945 reiste Inge mit ihrer Familie nach Bremen zurück. Inge und ihren Eltern wurde in Bremen eine kleine Wohnung in der Georg-Gröning-Straße 80 zugeteilt. Ihr geliebtes Haus in der Isarstraße 33 war im Krieg völlig zerstört worden. Inge wusste zu diesem Zeitpunkt immer noch nichts über den Verbleib von Ruthie, Schmuel und vielen anderen. Sie begann bei der Registrierung heimkehrender Juden und deren Versorgung mit Lebensmitteln zu helfen. Eines Tages erhielt Inge einen Brief von Schmuel – er hatte überlebt. Anfang 1946 kam Schmuel zurück nach Bremen. Inge und er heirateten im Juni 1947, an Inges dreiundzwanzigstem Geburtstag.

Zusammen mit Schmuel, der seinen Namen in Sam änderte, und ihren Töchtern Hanna und Ruthie zog Inge 1955 nach New York.

Schmuel starb 2006 – nach fast 60-jähriger Ehe mit Inge. Inge – heute 95-jährig – lebt in New York.

Die ausführliche Geschichte von Inge Katz lässt sich nachlesen in dem Buch “Rosen in einem verbotenen Garten: Eine Liebe in Zeiten des Holocaust” (2018) von Elise Garibaldi, der Tochter von Inges Tochter Ruth.

Ein Exemplar dieses Buches liegt im Eingangsbereich des Gebäudes C – dieses Gebäude stand bereits in den 1930er Jahren, was an der Eingangstür und den Fliesen im Treppenaufgang deutlich wird. Ein weiteres Exemplar wird zukünftig im Eingangsbereich des Gebäudes A zu finden sein, um mehr Menschen einen Blick ins Buch zu ermöglichen.

Quellen: Garibaldi E (2018). Rosen in einem verbotenen Garten: Eine Liebe in Zeiten des Holocaust. Hentrich und Hentrich Verlag Berlin (1. Auflage).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.