“Inge Katz am SZN”

Wie entstand die Idee “Inge Katz am SZN”?

Wir sind eine Schule der Vielfalt, “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage”. An unserer Schule lernen und arbeiten über 1000 Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, aus vielen verschiedenen Nationen, mit und ohne Behinderung und mit ganz unterschiedlichen sozialen Erfahrungen. Diese Vielfalt erleben wir als Bereicherung des Schullebens und als Chance für alle, gemeinsam aus den verschiedenen Erfahrungen zu lernen.

Inge Katz hat von 1934 bis 1938 die Schule an der Delmestraße besucht. Ihre Kindheit und Jugend ist also eng verbunden mit unserer Schule und der Bremer Neustadt.

Die Schule bestand damals aus einem einzigen, neu erbauten dreigeschossigen Gebäude – dem heutigen Gebäude C – und war daher sehr modern. Die Eingangstür zum Gebäude C, die Fliesen im Treppenaufgang und die Wasserspender in den drei Etagen erinnern noch heute an die damalige Zeit. Die Schule hatte schon damals ein sehr großzügiges Außengelände.

Inge Katz musste als Jüdin Ausgrenzung, Rechtlosigkeit, Deportation und Ermordung jüdischer Menschen erleben. Der Beginn dieser Erlebnisse ist untrennbar mit dieser Schule verbunden, in der sie als eines der wenigen jüdischen Kinder immer mehr schikaniert wurde.

So sprach der Schuldirektor vor der Klasse oftmals über die “verachtenswerten Juden”, Mitglieder einer “verdorbenen und heimtückischen Rasse”, die betrügen und stehlen würden. Inge schämte sich.

Inge und Ruthie waren damals die einzigen jüdischen Schülerinnen in ihrer Klasse. Sie mussten in der letzten Reihe sitzen. Dies war eine große Strafe, da sie beide ordentliche und fleißige Schülerinnen waren, die eigentlich in der ersten Reihe hätten sitzen sollen.

Auch auf eine Klassenfahrt durften sie nicht mitfahren, weil jüdischen Menschen damals der Aufenthalt in Jugendherbergen untersagt war. Inge und Ruthie mussten zu Hause bleiben. Ihre Lehrerin, Fräulein Höger, brachte ihnen von dem Ausflug eine Tüte mit Süßigkeiten mit, um sie zu trösten. An diese nette Lehrerin erinnert Inge sich noch heute.

Inge und Ruthie wurden auch von den Nachbarskindern nicht mehr zu Hause besucht, weil es denen verboten war, einen jüdischen Haushalt zu betreten.

Ab 1938 durfte Inge Katz die Schule aufgrund ihres jüdischen Glaubens gar nicht mehr besuchen.

Diese Erlebnisse sind so tief in Inge Katz verankert, dass sie noch heute, über 80 Jahre später, darunter leidet und sich deshalb minderwertig fühlt. Dies kam im Rahmen einer Veranstaltung am SZN im Dezember 2018 deutlich zur Sprache.

Am Ende der Veranstaltung entstand daher die Idee, Inge Katz – heute Inge Berger – symbolisch zurück in die erste Reihe bringen. Es entstand ein Foto mit Schüler*innen unserer Schule, auf dem Inges Tochter Ruth Bahar mit einem Bild von Inge und Ruthie aus der damaligen Zeit in der ersten Reihe zu sehen ist.

Das Foto hat Ruth Bahar ihrer Mutter von der Reise nach Deutschland mitgebracht.

Ruth Bahar schreibt anschließend in einer Email:

“Someone asked me what was most memorable moment during my trip to Bremen. The image of my mother and her cousin sitting in the front row was my first thought!! We had an extraordinary week that defies description on so many levels. We never expected to be met with such an outpouring of love and support but again, my strongest moment was in your school.When I explained this moment to my mother she was astonished since she still can not imagine that a Jew would be treated in such a kind way in the Delmestraße”. 

Wir haben mit einer kleinen Geste etwas getan, was Inge Katz viel bedeutet. Dieses Erlebnis war der Beginn des Projekts “Inge Katz” an unserer Schule.

Es wurde geplant Videos, Texte und Bilder zu den Ereignissen der Vergangenheit in Form der Erlebnisse von Inge Katz und zu Ereignissen der Gegenwart in Form von Erlebnissen unserer Schüler*innen bzw. Lehrer*innen zu erstellen. Zudem wurde die Umbenennung der Schule nach Inge Katz angestrebt.

Die Umbenennung soll als sichtbares Zeichen unserer Schulgemeinschaft gelten, dass an unserer Schule jeglicher Form von Ausgrenzung entgegengewirkt werden soll. Bei uns sollen alle “in der ersten Reihe sitzen”. Mit der Umbenennung verbunden sein soll eine dauerhafte Selbstverpflichtung dieser Schule, in Form von alltäglicher Arbeit, Projekten u.ä. allen Ideologien von Ungleichwertigkeit aktiv zu begegnen. Zudem soll mahnend an die Vergangenheit erinnert werden.

Der neue Schulname soll als dauerhafter „Stolperstein“ dienen, der Menschen dazu anregt, darüber nachzudenken, woher der Name kommt, was damit verbunden ist und warum wir uns so benannt haben.

Quellen:
Bahar, Ruth (Email 21.12.2018)
Garibaldi E (2018). Rosen in einem verbotenen Garten: Eine Liebe in Zeiten des Holocaust. Hentrich und Hentrich Verlag Berlin (1. Auflage).
Präambel zum Leitbild des SZN (Beschluss der Gesamtkonferenz am 26.11.2014)

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